Windpark Wittenweiler: Mike Rico Trentzsch steht in Paderborn erneut vor Gericht

Etliche Anleger und eine Baufirma geschädigt: Mike Rico Trentzsch steht in Paderborn in der Sache Windpark Wittenweiler erneut vor Gericht.

Der Wind weht kräftig über die Höhen von Wittenweiler – aber im geplanten Windpark drehen sich noch immer keine Rotoren: Seit acht Monaten ruhen dort die Bauarbeiten. Foto: 

Viereinhalb Jahre Haft stehen im Raum. Zu diesem Strafmaß hatte das Landgericht Paderborn den Unternehmer Mike Rico Trentzsch im Juli 2014 verurteilt. Er hatte im Zuge des geplanten Windparks in Blaufelden aus Sicht der Wirtschaftsstrafkammer etliche Anleger um ihr Geld betrogen. Seit Montag muss das Landgericht den gesamten Komplex neu verhandeln – der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aufgehoben.

Insgesamt hat die 2. Große Strafkammer wegen der umfangreichen Beweisaufnahme noch zwölf Folgetermine angesetzt. Zur Sicherheit werden zusätzlich zur Kammerbesetzung – drei Berufsrichter und zwei Schöffen – mit einer Ersatzrichterin und zwei Ersatzschöffinnen verhandelt. Die beiden Verteidiger des 44-jährigen Trentzsch kündigten an, er werde sich im Laufe des Verfahrens zu den Vorwürfen äußern.

Am Montag wurde indessen lediglich die Anklage verlesen. Im Gegensatz zum ersten Prozess befindet sich Trentzsch nicht in Untersuchungshaft: Der Haftbefehl wurde bei Urteilsverkündung außer Vollzug gesetzt – fast zwölf Monate hat der 44-Jährige bisher wegen des Verfahrens hinter Gittern verbracht.

Am Montag wurde erneut das gesamte Paket der Betrugsvorwürfe im Zusammenhang mit dem nie gebauten Windpark in Blaufelden aufgeschnürt und als Anklage verlesen. Von 2009 bis 2012 soll der 44-Jährige zahlreichen Anlegern, vor allem aus Hohenlohe, Beteiligungen und Genussscheine an den geplanten Windkraftanlagen verkauft haben, ohne jedoch zum Ablaufdatum die vereinbarten Renditen oder die Anlagebeträge zurückzuzahlen.

Eine Rückzahlung der Gelder, so sieht es die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld, habe er von vornherein nicht beabsichtigt. Ein Schaden von über 800.000 Euro steht zurzeit im Raum. Einen erklecklichen sechsstelligen Betrag soll ein Landwirt allein durch Trentzschs Agieren verloren haben. Ebenfalls Gegenstand des gestern eröffneten neuen Hauptverfahrens ist der Schaden, den der Lippstädter einer Firma aus der Nähe von Karlsruhe verursacht haben soll. Das Unternehmen war auf fast 700.000 Euro sitzengeblieben, nachdem es Fundamentgruben, Fundamente und Zuwegungen für den Bau der Windräder hergestellt hatte.

Der Angeklagte hatte stets versucht zu verdeutlichen, dass er die Aufträge nicht erteilt habe: Das Unternehmen habe selbstständig angefangen zu bauen. Der Schaden konnte lediglich dadurch minimiert werden, dass die Firma ihren Baustahl aus den Fundamenten wieder verwerten konnte. Nicht zuletzt geht es noch um 150 000 Euro, die ein Investor aus Heilbronn verloren hat: Er kaufte sich ein eigenes Windrad, die Kommanditeinlagen aber soll der Angeklagte von einem Treuhandkonto an sich gezogen und anderweitig ausgegeben haben.

Eine neue Anklage hatte Oberstaatsanwalt Ralf Günther aus Bielefeld aber auch noch mitgebracht: Es geht um die Insolvenzen der Betriebsgesellschaften der einzelnen Windkraftanlagen im Windpark Wittenweiler sowie um die der Dachgesellschaft. Alle Firmen sollen Ende 2011 komplett zahlungsunfähig gewesen sein, beruft sich der Anklagevertreter auf ein Gutachten der Insolvenzverwalterin über Trentzsch’ Firmenkonglomerat. Mithin wirft er dem Angeklagten zudem Insolvenzverschleppung in sieben Fällen vor.

Info Das Verfahren ist vorerst bis Weihnachten terminiert.

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