Tag des offenen Hofes: Schwierigkeiten der Landwirte nehmen zu

Der Milchpreis ist im Keller, die meisten Landwirte sehen schwarz. Doch es gibt auch junge Bauern, die Optimismus versprühen. Zum Beispiel Christoph Glaser aus Schlat.

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    Bauer Christoph Glaser führte am gestern in Schlat durch seinen Kuhstall. Der „Tag des offenen Hofes“ gibt Einblicke in die Landwirtschaft. Foto: 

 Jungbauer Christoph Glaser kann sich nicht mehr erinnern, wann er zuletzt im Urlaub war. Der 28-Jährige aus Schlat (Kreis Göppingen) kann sich auch nicht vorstellen, wann er wieder in Ferien gehen kann. Denn er hat einen Haufen Schulden: Für 150.000 € hat er einen Melkroboter gekauft, ganz zu schweigen von den Investitionen in den neuen Stall für seine 45 Kühe. Als die Anlage gebaut wurde, gab es für Glasers Milch noch 30 bis 35 Cent pro Liter, jetzt muss er mit 25 Cent zurechtkommen. Damit ist er aber noch gut dran – andernorts liegt der Preis schon bei unter 20 Cent.

Der gelernte Metzger und Landwirt ist eine Art Hoffnungsträger für die 77.000 Milchvielhalter in Deutschland, von denen immer mehr wegen fallender Milchpreise kapitulieren. 2015 machten laut Deutschem Bauernverband (DBV) 4 bis 5 Prozent von ihnen ihren Betrieb dicht. Glasers Plus: Er hat Eltern, die ihm helfen. Angestellte kann er sich so sparen. Zudem betreibt er Obstanbau als zweites Standbein und verkauft Ware im Hofladen. Deshalb ist sein Betrieb auch als Ort für den bundesweiten Auftakt zum Tag des offenen Hofes gewählt worden.

Die Diskussion über die Gründe für den Absturz der Preise gleichen einem Schwarzen-Peter-Spiel: Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied tadelt Molkereien und Einzelhandel für „unverantwortlich“ geführte Preisverhandlungen. Molkereien sehen sich von den Discountern unter Druck gesetzt. Peter Bleser (CDU), Staatssekretär im Berliner Landwirtschaftsministerium, konstatiert eine “Ohnmacht der Molkereien gegenüber fünf großen Lebensmittelhändlern“ – darunter Lidl, Aldi und Edeka.

Karl Laible, Geschäftsführer der Ulmer Milchwerke Schwaben, sieht die bundesweit 140 Molkereien gegenüber dem Handel in der Defensive. Selbst wenn sie die Milchabgabe verweigerten, würden Billigimporte aus Neuseeland, Irland und USA die Lücke füllen. Laible hat wie Rukwied die internationale Dimension des Problems im Blick. Beide verlangen das Ende des Russland-Embargos. Nach Auskunft Laibles wurden zuvor jährlich allein rund 240.000 Tonnen in Deutschland produzierter Käse nach Russland eingeführt. „Man muss auf andere Märkte ausweichen, die aber schon belegt sind, so dass der Verkauf nur zu reduzierten Preisen möglich ist.“

 Die Milchbauern sind nicht die einzigen, die unter dem Russland-Embargo ächzen. Auch die noch 2600 Schweinehalter im Südwesten leiden unter den Dumpingpreisen; seit 2011 haben 700 Betriebe aufgegeben. ln Schlat ist Glaser noch einer von drei bis vier Milchviehhaltern. Vor zehn Jahren waren es drei Mal so viele.

Glaser ist überzeugt, dass die Kunden mehr als die zum Teil unter 50 Cent pro Liter Ladenpreis durchaus verkraften könnten. “Der Verbraucher würde mehr zahlen, aber der Handel drückt die Preise.“ 

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