Literaturwoche: Fünf-Punkte-Plan für Literatur in Ulm

Die Macher der Literaturwoche Donau und Verleger von Topalian & Milani haben Großes vor. Das Festival ist nur der Anfang – mit „Weltpremiere“ im Münster.

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    Drei der fünf Punkte haben die umtriebigen Verleger schon abgehakt: Florian L. Arnold und Rasmus Schöll (rechts). Foto: 

Es muss wohl das gewesen sein, was man eine fruchtbare Begegnung nennt, als Florian L. Arnold und Rasmus Schöll sich trafen, vor drei Jahren, in einer Pizzeria. Ein gemeinsamer Bekannter hatte sie verkuppelt, „da gibt es einen, der spinnt auf die gleiche Weise rum wie du“, hatte er ihnen jeweils erzählt. Er sollte Recht behalten. Denn zwischen dem 40-jährigen Grafiker und Autor Arnold und dem zehn Jahre jüngeren gelernten Buchhändler Schöll sollte es auf Anhieb funken. So sehr, dass sie sofort einen Fünf-Punkte-Plan für Literatur in Ulm entwarfen. Hinter drei dieser fünf Punkte können sie schon jetzt ein Häkchen setzen.

Kleine und große Fische an Bord

Zum Beispiel hinter der Literaturwoche. „Wir wollten ein vernünftiges und ernsthaftes Literaturfestival machen“, erklärt Arnold. Spätestens im vergangenen Jahr ist ihnen das gelungen. Verstand man sich in den Anfängen 2013 noch als Plattform für unabhängige Verlage, sind seit 2016 auch bekanntere Häuser und Autoren mit an Bord: Der gebürtige Ulmer und Bestseller-Autor Andreas Eschbach zum Beispiel war dabei, oder die Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer. „Wir hatten Angst, ob wir das überhaupt noch übertrumpfen können“, erinnert sich Arnold.

Die Sorgen waren unbegründet: Dieses Jahr werden „Zeit“-Journalist Mohamed Amjahid, Anna Kim, Kirsten Fuchs und Thomas Meyer bei der Literaturwoche lesen, um nur einige zu nennen. „Das erste Mal haben wir an jedem Abend eine Autorenlesung“, freut sich Schöll. Noch bekanntere Namen stehen in den Klammern hinter den Autoren: Suhrkamp, Hanser, Diogenes oder Matthes & Seitz.

Das steht natürlich ein wenig im Widerspruch zu der erklärten Absicht, „mit unabhängigen Verlagen einen Querschnitt der aktuellen Literatur“ zu präsentieren. Ganz untreu werden Arnold und Schöll ihrem alten Konzept aber nicht: Auch unbekanntere Häuser wie der Cass-Verlag für japanische Belletristik oder die Katzengraben-Presse werden vorgestellt. „Dieses Jahr sind die Verlage auf uns zugekommen“, sagt Arnold und nimmt dies als Zeichen dafür, bisher alles richtig gemacht zu haben.

Die wahrscheinlich größte Überraschung ist den Literatur-Enthusiasten mit einer Lesung im Münsterturm gelungen. „Das ist eine Weltpremiere“, glaubt Schöll. Denn bisher habe man sich dort stets gegen Events aller Art gewehrt. Bei dieser Idee aber wurde man weich: Michael Lichtwarck-Aschoff wird aus seinem Roman „Hoffnung ist das Ding mit Federn“ lesen und passenderweise schwäbische Luftpioniere mit ihren Flugversuchen vorstellen.

Bei den Stadtoberen kommt das Konzept an. Kämpfte man in vergangenen Jahren noch um Fördergelder, setzte sich dieses Mal Kulturbürgermeisterin Iris Mann persönlich für die Literaturwoche ein. „Sie hat deutlich gemacht, dass sie das wichtig findet“, sagt Arnold. Erheblich erleichtert wurde das Eintreiben der Fördermittel auch dadurch, dass es mit dem „Literatursalon“ inzwischen einen Förderverein gibt – der zweite Punkt auf der Liste, hinter dem nun ein Haken steht.

Und der dritte Haken? Hat natürlich auch mit Literatur zu tun und nennt sich Topalian & Milani. So heißt der Verlag, den Arnold und Schöll gegründet haben. Die Bücher, die sie verlegen, sind, ganz einfach: schön. Liebhaberstücke mit wertvollem Papier und aufwendig gestalteten Einbänden, von Klassikern wie Stefan Zweig, gestandenen Schriftstellern wie Bachmann-Preisträger und Suhrkamp-Autor Lutz Seiler oder Künstlern aus der Region wie Tommi Brem.

Jüngste Veröffentlichung ist der Roman „Goldgefasste Finsternis“ eines Neurologen namens Arno Tauriinen, der laut Autorenbeschreibung in Wien lebt, Raubtierzähne sowie alte Bücher sammelt und auf der Leipziger Buchmesse als Mischung aus Groucho Marx und Thomas Pynchon beschrieben wurde.

Stadtschreiber für zwei Wochen

Dass sie überhaupt Verleger sind, sei ein Produkt der Literaturwoche, sagt Arnold. Auf den Veranstaltungen haben sie alte Hasen im Geschäft gefragt, wie sie angefangen haben, und zur Antwort bekommen: „Wir haben einfach mal angefangen.“ So haben die zwei Literaturliebhaber es 2015 dann auch gemacht. Als Nächstes veröffentlichen sie ein Band mit Erzählungen der Suhrkamp-Autorin Anna Kim. „Ein Glücksfall“, wie sie sagen.

Wer mitgezählt hat, wird bemerken, dass noch zwei Punkte auf der Liste fehlen. „Eine unserer Hauptbestrebungen ist, in Ulm die Stelle eines Stadtschreibers zu schaffen“, verrät Schöll. Für die Literaturwoche wird diese Rolle schon einmal der Ulmer Autor Marco Kerler einnehmen und das Event schreibend begleiten. Hat man schon einen Stadtschreiber, würde sich, als letzter Punkt, auch ein Literaturhaus gut machen in Ulm. Bei drei von fünf Haken in drei Jahren sollte man diese Pläne ernst nehmen.

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