Theaterei: Das Dumme ist immer und überall

Celia Endlicher und Richard Aigner in „Zwei wie Bonnie und Clyde“. Foto: 

Bonnie und Clyde sind ein Mythos aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise. Clever und brutal überfielen sie in Amerika Banken und Geschäfte und schreckten auch vor vielfachen Morden nicht zurück. Ihre kurze aber intensive Liebe und ihr gemeinsamer Tod in ihrem Ford, der von 167 Kugeln durchsiebt wurde, wurde oft glorifiziert. Zahlreiche Künstler ließen sich von dem Paar inspirieren, so auch der Sänger Georgie Fame. Seine „Ballad of Bonnie and Clyde“ durfte auch in der Herrlinger Inszenierung nicht fehlen.

Die Figuren der Autoren Sabine Misiorny und Tom Müller haben mit dem Ursprungspaar allerdings kaum etwas zu tun. Chantal und Manni versuchen sich ebenfalls in Banküberfällen. Blut fließt dabei keines, und auch vom Erfolg sind die Überfälle nicht gekrönt. Einmal wird statt der Beute die Einkaufstüte einer Bankbesucherin mitgenommen: mit Toilettenpapier, Kaffee und zwei Fertiggerichten. Das nächste Mal ist die Strumpfhose blickdicht anstatt reißfest.

Es wird ganz tief in die Klamauk-Kiste gegriffen. Denn die beiden neuen Bonnie und Clyde sind dümmlich, überzeichnet und damit auch zeitweise urkomisch. Dass sie sich nach dem berühmten Gangsterpaar nennen, ist Manni (Richard Aigner) zu verdanken. Das historische Paar ist sein Vorbild – wäre er doch selbst gerne ein erfolgreicher Bankräuber. Doch er neigt  zur Selbstüberschätzung, seine „genialen“ Bank­überfallpläne sind nicht mal ansatzweise durchdacht, und zudem ist er mit einer naiv-dümmlichen Gangsterbraut liiert.

Mehr durch Zufall und dem Unvermögen Chantals geschuldet, die keine Straßenkarten lesen kann, aber dafür ein hervorragend gutes Gedächtnis für Ortsnamen und Stichworte hat, landen sie in einem abgelegenen Schuhlager. Ein Traum für die junge Frau, deren Leidenschaft für Schuhe dem Stück ganz am Ende noch eine unerwartete Wendung gibt. Dass auch hier der Zufall ein bisschen zu oft an die Tür klopft, gehört ebenso zu der locker-leichten und vom Marion Weidenfeld flott inszenierten Komödie in der Theaterei wie die holzschnittartigen Figuren.

Lachsalven im Publikum

Die Beiden haben etwas von dem Humor von „Dick und Doof“ und sorgen damit immer wieder für Lachsalven beim Publikum. Zu komisch, wenn sie mit Strumpfhosen auf dem Kopf zum wiederholten Male den nächsten Einbruch üben und das Spiel um falsche und richtige Stichwörter ins Unermessliche treiben. Dass sie dabei Probe und Realität verwechseln und sich gegenseitig erschrecken, sorgt ebenfalls für Lacher.

Celia Endlicher mimt die naiv-dumme Chantal, die alles tun will, damit ihr Manni nicht mit ihr böse ist, überzeugend mit Schmollmund und schmeichelnder Weiblichkeit. Vielleicht ein bisschen zu oft und laut kommen die Metallregale und unzähligen Schuhkartons ins Spiel, doch Feinfühligkeit ist eben auch nicht die Stärke von Manni, der von Richard Aigner überzeugend interpretiert wird.

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