Aufhausener gedenken der vor 400 Jahren als Hexe verbrannten Anna Übelhör

Vor 400 Jahren wurde Anna Übelhör aus Aufhausen in Ulm als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Aufhausener haben ihrer jetzt gedacht.

Gedenktage für die letzte "Hexe" Anna Übelhör in Aufhausen

Gedenktage für die letzte "Hexe" Anna Übelhör in Aufhausen

Ein trauriges Kapitel in der Geschichte von Aufhausen wurde am Wochenende lebendig. Zum Gedenken an den 400. Todestag von Anna Übelhör, die am 14. Juni 1616 als Hexe auf dem Scheiterhaufen in Ulm verbrannt wurde, luden der Aufhausener Ortschaftsrat und Ortsvorsteher Ludwig Kraus ins evangelische Gemeindehaus ein. Im Mittelpunkt der beiden Veranstaltungen am Samstag- und Sonntagabend standen das Leben und das Schicksal von Anna Übelhör. Sie war Kräuterheilkundige, was damals eine Gratwanderung zwischen gesellschaftlicher Anerkennung und Zauberei war und ihr letztendlich zum Verhängnis wurde.

Den geschichtlichen Rückblick, den Geislingens Stadtarchivar Hartmut Gruber aus den spärlich überlieferten Quellen zusammengetragen hat, lieferte in Vertretung des Historikers Ulrike Straub-Väth. Die "Stadtratten", Karl Vogelmann, Bettina Maschke, Roland Funk und Bernhard Lehle, umrahmten die Abende mit unterhaltsamer, zeitgenössischer Musik in historischer Kleidung. Der Aufhausener Künstler Hartmut Väth präsentierte erstmals die aus Lindenholz bestehende Skulptur "Anna und der Feuervogel", die er in über 300 Arbeitsstunden geschaffen hat. Die Statue soll an das Schicksal der Kräuterheilkundigen erinnern, das heute noch in der Dorfgemeinschaft präsent ist.

Packend und emotional ergreifend spielten die Laienschauspieler Georg Morlok, Hildegard Krauß, Sabine Rümelin, Edith Kraus, Rüdiger Kraus, Hans Bückle und Arnold Herzog unter der Regie von Ludwig Kraus das von Marion Vater geschriebene Theaterstück "Anna Übelhör - Salbei, bitteres Kraut". Das Stück wurde bereits im Rahmen der 1150-Jahrfeier von Aufhausen vor fünf Jahren uraufgeführt. Den Schlusspunkt der beiden Veranstaltungen setzte jeweils Ortsvorsteher Ludwig Kraus mit einem Streifzug durch die Geschichte von Aufhausen.

Anna Übelhör lebte in einer Zeit, als die Hexenverfolgung ihren Höhepunkt erreicht hatte. Zwischen 1508 und 1682 wurden in Ulm 20 Frauen, vier Mädchen, drei Männer und zwei Jungen wegen Hexerei angeklagt. Vier Frauen, darunter die Mittvierzigerin Anna Übelhör, wurden hingerichtet. Sie gesteht unter der Folter, dass sie vom Satan ein Pülverchen bekommen und zum Schaden von Mensch und Tier angewandt habe. Unter anderem hätte sie ihre zwei Kinder und ihren Mann vergiftet. Die Wirkung hätte sie zuvor an Geißkitzen, Pferden und Vieh ausprobiert. Zudem hätte sie Hagel und Wetterschäden erzeugt. Außerdem wird Übelhör zweimaliger Ehebruch zur Last gelegt. Am Ende der umfangreichen Anklageschrift, dem sogenannten Verkündzettel, steht das Urteil fest. Zur Rettung ihrer armen Seele seien Bürgermeister, Rat und Gericht von Ulm zu der Ansicht gelangt, dass Anna Übelhör "gegen Gott, Sitten und Recht gehandelt" habe und somit lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden soll. Die Asche wird in die Donau geworfen.

Der Zeitgeist des 17. Jahrhunderts wurde durch das halbstündige Theaterstück "Anna Übelhör - Salbei, bitteres Kraut" lebendig und zum Greifen nah. Das Stück spielt in einer Dorfschenke in Aufhausen anno 1616. Wirtsleute, Dorfbewohner und ein Wandergesell unterhalten sich mit sehr unterschiedlichen Ansichten über das Leben und das Wirken von Anna Übelhör als Mensch und Kräuterheilkundige. "Rezepturen, die kein Mensch kennt, sind Teufelszeug", sagt die Wirtin. Andererseits hätten die unterschiedlichen Tee- und Kräutermixturen heilende Wirkung, betont eine Bauersfrau.

Als der Krämersmann Hannes hereinkommt und von einer Hexenverbrennung in Ulm erzählt, entflammt schließlich eine kontrovers geführte Diskussion zwischen gnadenloser Erbarmungslosigkeit gegenüber Anna Übelhör einerseits sowie Mitgefühl und Teilnahme andererseits.

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