Kretschmann in Hechingen von „Gegenwind“-Demo empfangen

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    Ministerpräsident Winfried Kretschmann gab sich im Polittalk mit Moderatorin Angelika Knop am Freitagabend in der Hechinger Stadthalle gewohnt unverkrampft. Nur mit dem Mikrophon haderte der Landesvater; er hielt es sich zu dicht vor den Mund. Foto: 
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    Eine kleine Demo der Bürgerinitiative „GegenWind Hohenzollern“ empfing den Ministerpräsidenten vor der Stadthalle. Foto: 

Von Mitgliedern der Bürgerinitiative „GegenWind Hohenzollern“ in gelben Warnwesten und mit Protestplakaten wurde Winfried Kretschmann am Freitagabend vor der Hechinger Stadthalle empfangen. Nur kurz beachtete der baden-württembergische Ministerpräsident die kleine Demo gegen den geplanten Windpark zwischen Rangendingen, Grosselfingen und Haigerloch, marschierte dann aber gleich weiter in den Europasaal, flankiert von den beiden Bundestagskandidaten der Grünen in den Wahlkreisen Tübingen-Hechingen und Zollernalb-Sigmaringen, Chris Kühn und Erwin Feucht.

Im Saal waren alle der 280 aufgestellten Stühle besetzt, wenngleich man wohl mit mehr Andrang hätte rechnen können bei einem so hohen Politbesuch. Unter den Besuchern waren auch Landrat Günther-Martin Pauli und Hechingens Erster Beigeordneter Philipp Hahn. Erst vor drei Wochen war der Landesvater als Wanderer in Hechingen. Wie er das gefunden habe, war eine der ersten Fragen von Moderatorin Angelika Knop an den Ministerpräsidenten. Im Gehen lasse es sich, nach dem Vorbild griechischer Philosophen, gut und entspannt reden, lautete Kretschmanns Antwort. „Da kann der Pauli dem MP eine halbe Stunde was ins Ohr blasen“, fügte er mit einem Augenzwinkern in Richtung Landrat hinzu.

Von diesem lockeren Ton war überhaupt der ganze Polittalk geprägt. Dabei kamen von Diesel-Skandal bis Altersarmut an diesem Abend viele aktuelle und auch brisante Themen zur Sprache. Kretschmann blieb, wie man ihn kennt: schwäbisch, bodenständig, pragmatisch. Die großen Parolen sind die  Sache des 69-Jährigen nicht. Er gibt sich lieber als Schaffer, der weiß, dass man nichts übers Knie brechen kann und dass der Teufel oft genug im Detail liegt.

Zum Beispiel könne eine gute Bildungspolitik nur greifen, wenn auch genügend gut ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stünden, an denen es in  Baden-Württemberg momentan aber mangele. „In der Bildungspolitik haben wir kein Finanzproblem, sondern ein Qualitätsproblem“, so Kretschmann. Dringend verbessert werden müsste die Lehrerfortbildung.

Richtig in Fahrt kam der Landesvater beim Stichwort Autoindustrie.  Von einem Verbot für Verbrennungsmotoren bis 2030 hält er nichts. „Der Zeitpunkt ist zu verfrüht.“ Die deutsche Autoindustrie habe die Zeichen der Zeit „verschlafen“ und hinke nun ein bis zwei Jahre hinterher. Aber man werde aufholen. Für Kretschmann sind das ohnehin „Altlastendiskussionen“. „Die Mobilität steht vor einem totalen Wandel“, betonte er. Deshalb brauche es vor allem innovative Ansätze. Die Landesregierung sei gerade daran, diese im Dialog mit der Industrie, der Wissenschaft, den Kommunen und den Bürgern zu entwickeln. Grüne Politik richte sich nicht gegen wirtschaftliche Entwicklung, so Kretschmann, sondern sei bestrebt, Prosperität vom Naturverbrauch oder gar einer Zerstörung der Natur zu entkoppeln.

Aber nicht nur Politisches kam am Freitag zur Sprache, auch Menschliches kitzelte die Moderatorin aus Kretschmann heraus, als sie ihn zum Beispiel nach seinen unumstößlichen Werten fragte. „Die stehen im Grundgesetz“, antwortete Kretschmann, der sich als „Verfassungspatriot“ bekannte. Von wem er sich die Meinung sagen lässt und sie dann auch ändert, wollte Angelika Knop außerdem wissen. „Von jedem“, lautete die clevere Antwort. Mit Applaus bedacht wurde auch Kretschmanns Vervollständigung des Satzes: „Ohne meine Frau wäre ich…“ – Kretschmann stellte richtig fest: „nicht verheiratet“. Entspannen und abschalten kann der 69-Jährige übrigens neuerdings weniger bei seinen Hobbys Wandern und Handwerken, sondern seit zwei Jahren als Opa. „Endlich habe er einen Enkel“, bekannte Kretschmann. Der Kleine sei manchmal ein rechter „Striezel“, aber beim Kinderhüten  „vergisst man alles andere“. Auch sei „ein guter Schlaf die halbe Miete“.

Nachdem Kretschmann noch einige Fragen aus dem Publikum beantwortet hatte, wurde ihm zum Abschluss die entscheidende Bundestagswahl-Frage gestellt: Warum sollte man am 24. September Grün wählen? Kretschmann: „Wir regieren inzwischen erfolgreich in zehn Bundesländern. Baden-Württemberg steht sehr gut da. Es ist also kein großes Risiko, wenn man uns wählt.“

Am Ende bedankten sich Chris Kühn und Erwin Feucht bei ihrem prominenten Wahlkampfhelfer für sein Kommen mit Süßigkeiten.

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