Der Angeklagte streitet Missbrauch ab

Weil er einen siebenjährigen Nachbarsjungen sexuell missbraucht hat, ist ein Asylbewerber zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er stritt alles ab.

Während der gestrigen Verhandlung vor der Amtsgericht Hechingen war der Angeklagte mehrere Male in Tränen ausgebrochen, bei der Urteilsverkündung blieb er aber gefasst. Wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit versuchtem sexuellen Missbrauch wurde ihm eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auferlegt. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt, drei Jahre lang darf er sich nichts zu Schulden kommen lassen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Asylbewerber im vergangenen Sommer den siebenjährigen Sohn einer Nachbarsfamilie in einem Albstädter Wohnheim für Asylbewerber in sein Zimmer geführt hatte. Dort zeigte er dem Jungen sein Glied und bat ihn, es anzufassen beziehungsweise sein eigenes Geschlechtsteil zu zeigen.

Als das Kind sich weigerte, befriedigte sich der Mann selbst und zeigte dem Jungen einen Sexfilm. Nachdem der jüngere Bruder des Jungen an die Zimmertür geklopft hatte, verließ der Siebenjährige den Raum und erzählte daraufhin seiner Mutter von dem Vorfall.

Der geringfügig vorbestrafte Angeklagte, der seit drei Jahren in Deutschland lebt und laut eigener Aussage nicht genug Geld hat, seine Familie nachzuholen, stritt die Vorwürfe ab. Ihm zufolge hätten die beiden Brüder, mit denen er sich angefreundet hatte, den Sexfilm selbst eingeschoben, während er unter der Dusche war.

Daraufhin sei er zur Mutter der Jungen gegangen und hätte sie aufgefordert, ihre Söhne zu holen. Eine Entblößung habe nicht stattgefunden. Damit erzählte der Mann eine völlig andere Geschichte als der Junge und dessen Mutter. Die Vorwürfe stellte er als Komplott gegen ihn dar.

Während der Verteidiger des Angeklagten versuchte, Zweifel an der Aussage des Siebenjährigen zu wecken und auf Freispruch plädierte, schloss sich das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. "Ich sehe keine vernünftigen Zweifel an den Vorwürfen", meinte Richter Ernst Wührl.

Zwar stimmte er dem Verteidiger zu, dass die Aussage des Kindes als alleinige Grundlage für eine Verurteilung womöglich nicht ausreiche. "Aber wir haben noch andere Gesichtspunkte, die die Glaubwürdigkeit seiner Geschichte stärken", ergänzte der Vorsitzende Richter.

So sei die Geschichte des Angeklagten zum einen sehr unglaubwürdig, zum anderen hatte ein anderes Geschwisterpaar vor Gericht ausgesagt, dass der Asylbewerber versucht habe, sich auch ihnen körperlich zu nähern.

Der Angeklagte selbst hatte bei seiner Aussage eingeräumt, den Kontakt zu jenen Geschwistern gesucht und ihnen regelmäßig Geld geschenkt zu haben. "Wir sehen keine Anhaltspunkte dafür, dass diese Anschuldigungen aus verschiedenen Bereichen ein Komplott gegen Sie darstellen", meinte Richter Wührl.

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