Mann nach Zucchini-Mahlzeit auf Intensivstation

Zucchini aus dem eigenen Gemüsebeet: Was von vielen als Delikatesse gerühmt wird, ist jetzt für einen Hobbygärtner aus Heidenheim zu einem Albtraum geraten. Der Mann zog sich eine Vergiftung zu – und schwebt akut in Lebensgefahr.

Nichts deutete auf eine solch dramatische Entwicklung hin, als das ältere Ehepaar in der vergangenen Woche im Klinikum Heidenheim erschien und über Durchfall, Übelkeit und Erbrechen klagte. Für die Ärzte in der Zentralen Notaufnahme waren dies klassische Anzeichen für eine Magen-Darm-Erkrankung, die überdies gerade Saison hat, und so führte die beiden der weitere Weg in die Infektionstation des Krankenhauses.

Dort schienen sich die Patienten zunächst etwas zu erholen, doch als bei dem Mann ein, zwei Tage später eine massive Verschlechterung seines Zustandes eintrat, wurden beide verlegt und auf der inneren Intensiv-Station weiterbehandelt.

Erst als dort mit Angehörigen des Ehepaars eine Anamnese im Sinne einer systematischen Befragung vorgenommen wurde, kam die Vorgeschichte dieser mit einem Organversagen verbundene Schwersterkrankung heraus, die in Wirklichkeit auf eine sehr seltene Art der Lebensmittelvergiftung zurückzuführen ist.

Selbst angebaute Zucchini aus Nachbars Garten

Doch was war passiert? Beide Eheleute hatten selbst angebaute Zucchini aus Nachbars Garten bekommen und zusammen mit Kartoffeln und Karotten zu einem Eintopf verarbeitet und diesen verzehrt, obwohl das Essen auffallend bitter schmeckte.

Der Mann nahm offenbar eine größere Menge zu sich, auf jeden Fall mehr als seine Frau, die sich zudem sehr früh übergeben und denn auch unter deutlich weniger Nachwirkungen zu leiden hatte und nach Angaben aus dem Klinikum bereits in der zurückliegenden Woche aus der stationären Behandlung entlassen werden konnte. Während sie sich seitdem ganz gut erholt hat, hat sich der Zustand ihres Mannes, der erst am Mittwoch nochmals reanimiert werden musste, eher verschlechtert. (Der 79-Jährige verstarb wenige Tage später an den Folgen der Vergiftung / Anm. d. Redaktion)

Ursache sind besondere Bitterstoffe

Die Ursache der lebensbedrohlichen Erkrankung ist selten und offenbar schwer zu diagnostizieren, wenn nicht von vorneherein Hinweise auf die Ursachen der Beschwerden vorliegen.

Und trotzdem werden immer wieder bittere Erfahrungen mit dem eigenen Gemüseanbau gemacht. Schuld sind die in kürbisartigen Gewächsen enthaltenen Bitterstoffe, sogenannte Cucurbitacine, mit denen sich Kürbisse, Zucchini und auch Gurken in der Natur vor Fressfeinden schützen. Bei Kulturpflanzen ist diese giftige Substanz inzwischen allerdings herausgezüchtet: Wer als Hobbygärtner also jedes Jahr ein neues Tütchen Samen kauft, muss normalerweise keine Gefahren befürchten.

Gefahr droht bei altem Saatgut aus dem Vorjahr

Anders ist dies, wenn – wie öfter im Hausgarten praktiziert – altes Saatgut vom Vorjahr verwendet wird, weil in solchen Fällen giftige Rückkreuzungen auftreten können. Ein Risiko besteht auch, wenn in der Nähe von Zucchini auch Zierkürbisse angebaut werden. Diese enthalten viele der unverträglichen Bitterstoffe, und weil Bienen bei der Bestäubung nicht zwischen den einzelnen Pflanzen unterscheiden, kann es durch Kreuzungen innerhalb der Arten passieren, dass die Zierkürbisse vom eigenen oder auch Nachbars Beet die selbstgezogenen Zucchini ungenießbar machen. Auch spontane, einzeln vorkommende Rückmutationen können Ursachen für das Wiederauftreten der Gifte sein – eine Laune der Natur mit möglicherweise weitreichenden Folgen für den Menschen.

Um jedem Risiko aus dem Weg zu gehen und zumal ernste Komplikationen – die von ärztlicher Seite aber als eher selten eingestuft werden – zu vermeiden, empfiehlt Norbert Pfeufer, Leiter der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Heidenheim, im Hausgarten keine eigen produzierte Samen zu verwenden.

Zucchini darf nicht bitter sein

Wenn man vor der Zubereitung vorsichtig probiert, enttarnen sich belastete Produkte durch auffallend bitteren Geschmack, der zudem oft ein pelziges, taubes Gefühl im Mund erzeugt – ist dies der Fall, sollte man dem ärztlichen Rat Pfeufers folgen und die Finger samt Magen davon lassen. Auch wenn einem der ausgeprägte Gärtnerstolz dazu verleiten will, das Geschmacksempfinden zu ignorieren und tapfer zuzugreifen.

Und wie ist das mit den Gurken? Da gilt eine Hausfrauen-Regel aus der guten alten Zeit: dass man die Salatgurken nicht von der Blütenseite her schälen solle, weil dann die Gurke bitter schmeckt.

 

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