Nikolauspflege: Blinde Kinder spielen zusammen mit Sehenden

Kinder wie der erblindete Toni des Schulkindergartens der Nikolauspflege spielen jetzt zusammen mit Kindern der evangelische Kindertagesstätte „Pusteblume“ im Mergelstetter Gemeindehaus.

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    Toni ist eines der Kinder, das den Schulkindergarten der Königin-Olga-Schule der Nikolauspflege besucht. Er ist blind und seine Eltern sind froh über inklusive Angebote für ihren Sohn. Foto: 

Toni hält die Triangel fest, lauscht dem Ton, der entsteht, wenn er sie mit dem Schlägel berührt. Er hört gerne Musik, liebt alles, was Geräusche macht. Geräusche machen ihm Spaß, denn Sehen kann der Dreijährige nicht mehr. Bei seiner Geburt fiel sofort auf, dass seine Augen eingetrübt waren, am dritten Tag erhielten die Eltern Michael und Monika Klein die Diagnose: „Petersche Anomalie“, eine Erkrankung, die sehr selten vorkommt und zu der es bislang nur wenig Erfahrungswerte gibt.

Tonis Augen sind nicht regelgerecht entwickelt, eine Prognose zu seinem Sehvermögen ist ungewiss. Noch während des Klinikaufenthaltes stellte der behandelnde Kinderarzt den Kontakt zur Frühförder- und Beratungsstelle der Nikolauspflege her. Diese unterstützt und begleitet überregional blinde, sehbehinderte und mehrfachbehinderte Kinder und ihre Familien.

Toni wurde mehrfach operiert und erhielt Hornhauttransplantationen am rechten und linken Auge. Nach einiger Zeit begann die Arbeit der Frühförderung der Nikolauspflege unter der Sonderschullehrerin Gesina Wilfert. Sie zeigte den Eltern daheim im vertrauten Umfeld, wie sie das Sehvermögen ihres Kindes fördern können. „Mir hat das gut gefallen, dass man Ideen bekommt“, erinnert sich Monika Klein. „Ich habe so eigene Ideen entwickelt, ihn zu fördern, denn schnell haben wir bemerkt, dass Toni mit Spielsachen für sehende Kinder nicht viel anfangen kann.“ Toni erhielt Spielsachen, deren Farben besonders kontrastreich waren und Geräusche machten. Einfache Piktogramme halfen ihm, Formen zu erkennen. „Das Sehen muss sich bei allen Kindern erst entwickeln. Wenn ein Kind, wie Toni, schlechtere Startvoraussetzungen hat, so muss das Spielmaterial besser angepasst werden“, erklärt Gesina Wilfert. Das erste Jahr verlief gut, Toni fing an zu krabbeln, er konnte Bücher anschauen und Ball spielen.

Die Diagnose: Toni ist blind

Doch dann, Toni ist eineinhalb Jahre alt, kamen neue Sorgen auf die Familie zu: Die Transplantation wurde abgestoßen, der Augeninnendruck war zu hoch. Toni wurde erneut operiert, transplantiert, nach Phasen der Ruhe waren immer wieder neue Eingriffe nötig. Seit Mai leben die Kleins nun mit der neuen Diagnose: Toni ist blind.

„Ich bin froh, dass er gesehen hat“, sagt Monika Klein. „Denn so ist er viel gelaufen, viel auf den Beinen gewesen.“ Auch jetzt muss der Dreijährige angespornt werden, sich weiter zu bewegen und muss lernen, sich neu zurechtzufinden. Seit Toni zweieinhalb Jahre alt ist, geht er in den Schulkindergarten der Königin-Olga-Schule der Nikolauspflege. Im September ist dieser in neue Räumlichkeiten neben der evangelischen Kindertagesstätte „Pusteblume“ in Mergelstetten gezogen. Hier finden von nun an inklusive Angebote für alle Kleinen statt – je nach den Bedürfnissen der Kinder. Toni wird neues Spielzeug, neue Materialien und Kinder kennen lernen.

Für seine Eltern ist seine Erblindung noch ein schlimmer Schmerz, doch Monika Klein hat Hoffnung: „Toni wird uns die Welt auf eine andere Art zurückgeben. Er wird die Welt anders wahrnehmen und nie visuell voreingenommen sein. Ich freue mich darauf, das mit ihm kennen zu lernen.“

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