Vom Urknall bis heute

Es geht um alles. Um die Welt - von der Ursuppe über die Evolution bis hin zum Menschen heute. Das alles erzählt die Oper "sextuor" in 70 Minuten. Eine multimediale Aufführung steigt 20. März im Spitalhof.

Fünf Profi-Vokalistinnen und eine Cellistin (nicht im Bild) bestreiten die Kammeroper "sextuor: l'origine des espèces" von Georges Aperghis. Fotos: Otto Paul Burkhardt

Fünf Profi-Vokalistinnen und eine Cellistin (nicht im Bild) bestreiten die Kammeroper "sextuor: l'origine des espèces" von Georges Aperghis. Fotos: Otto Paul Burkhardt

Die Partitur im Blick: Regisseur Frank Wörner bei den Proben.

Die Partitur im Blick: Regisseur Frank Wörner bei den Proben.

Georges Asperghis.

Georges Asperghis.

Auf dem Videoscreen tummeln sich geschätzte 99 Luftballons am blauen Himmel, vorne auf der Bühne wird eine Braut zur Hochzeit geschmückt. Regisseur Frank Wörner, Gesangsprofessor an der Musikhochschule Saar verfolgt die Szene anhand der Partitur, und Annette Wolf besorgt derweil die mediale Feinabstimmung am Laptop.

Die beiden arbeiten schon lange zusammen, und derzeit proben sie mit dem VIL-Ensemble, dem Vokal- und Instrumentallabor Stuttgart, im Reutlinger Spitalhof eine neues Projekt: das Musiktheaterstück "sextuor: l'origine des espèces" (1992) des griechisch-französischen Komponisten Georges Aperghis. Die Aufführung wird am Freitag, 20. März, 20 Uhr Spitalhof, in der Reihe Musica Nova über die Bühne gehen.

Eine Oper? Umgangssprachlich könnte man diesen Begriff vielleicht verwenden. Kammeroper wäre aber schon die genauere Bezeichnung - denn Georges Aperghis hat sein Werk nicht für großes Orchester, sondern für fünf Frauenstimmen und Cello geschrieben.

Übersetzt bedeutet der Titel "Sextett" und vor allem: "Über die Entstehung der Arten". Denn tatsächlich dient auch die gleichnamige Schrift des Evolutionsforschers Charles Darwin als Textgrundlage für dieses rund 70-minütige Stück.

Sicher, "Neue Musik hat immer so etwas Ernstes", räumt Regisseur Frank Wörner ein. Doch in seiner Inszenierung - und bereits im Originaltext der Aperghis-Kammeroper - soll es "auch heitere Momente" geben. Etwa, wenn es um die Spezies der Fische geht und eine der Sängerinnen - allesamt Profis mit Musikhochschulabschluss - entsprechend skurrile Unterwasser-Laute von sich gibt. Das Stück entfaltet laut Wörner in einigen Passagen so etwas wie "Sprachwitz". So gesehen, verspricht Wörner durchaus einen teils "kurzweiligen Abend". Aperghis erzählt einerseits die Schöpfungsgeschichte. Zudem arbeitet er aber mit einer Art "Pseudosprache", so Wörner. Schon das Frühwerk des heute 69-jährigen Komponisten war deutlich von Dada und Schwitters beeinflusst. Und in "sextuor" verwendet Aperghis ebenfalls eine Art Fantasiesprache. So beginnt die Partitur mit einem Quintett zu den Worten "tai ktei kto ktei". Das klingt manchmal fast so wie Geräusche oder Laute von "Urtieren", sagt Wörner.

Erzählte Schöpfungshistorie und "nicht verstehbare Sprache" wechseln sich ab. Hinzu kommen fünf Zwischenspiele mit Interviews der Frauen zu den Themen Tod, Geburt, Aschenputtel, Entbindung und Liebe. Denn es geht in Aperghis' Kammeroper "ums Weibliche in der Evolutionsgeschichte". Das "Sextett" ist also eine Profi-Produktion. Aber auch ein Projekt, bei dem es außerdem um die Vermittlung neuer Musik an ein junges Publikum geht. Denn mit eingebunden ist die 10. Klasse des Reutlinger Isolde-Kurz-Gymnasiums (IKG). Das Regieteam war dort vor Ort. Und die Schüler konnten bei den Proben mit den Interpretinnen sprechen - etwa über Berufsperspektiven für Musikstudenten. Bei der Aufführung am Freitagabend werden IKG-ler sogar eine zweiminütige Performance beisteuern.

Wie verhält sich der Mensch zum Tier? Diese Frage, so Wörner, soll im Zentrum des Inszenierungskonzepts stehen. Wie der Mensch sich irgendwann im Laufe der Evolution über die Tiere erhoben hat, wie er sie "domestiziert", zu "Nutz-" oder "Kuscheltieren" erzogen hat.

Die Grundthese sei: "Der Mensch ist auch nur eine Art unter vielen, er wird genauso wieder verschwinden wie allen anderen Arten auch." Choreographie, so Wörner, spiele eine große Rolle in seiner Inszenierung, unter anderem auch Bewegungen der Hände und Finger. Dadurch bekomme das Werk "etwas sehr Tänzerisches, Rhythmisches".

Termin - Karten - Komponist

Aufführung "sextuor: l'origine des espèces" von Georges Aperghis - die Aufführung am Freitag, 20. März, 20 Uhr, im Spitalhof Reutlingen ist Teil der Reihe Musica Nova.

Tickets unter Telefon: (0 71 21) 303-2834 und -2360 sowie per E-Mail an kult.veranstaltungen@reutlingen.de.

Der Komponist Georges Aperghis, 1945 in Athen geboren, lebt seit 1963 in Paris. Einflussgeber waren Pierre Schaeffer, Iannis Xenakis, John Cage und Mauricio Kagel. Zu seinen Werken zählen "Liebestod" (nach Bettina von Arnim) und "Die Hamletmaschine" (nach Heiner Müller).

Solistinnen sind Christie Finn, Gabriele Lesch, Natasha López, Alessia Hyungkyung Park und Hanna Roos. Cello: Esther Saladin.

SWP

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