Aktuelle Konjunktur robust, Zukunft unsicher

Mit Unsicherheit blicken die Metallarbeitgeber ins Jahr 2016 . Aktuelle Entwicklungen wie der VW-Abgasskandal oder die anhaltenden Flüchtlingsströme erschwerten laut Reiner Thede eine Voraussage.

Reiner Thede (mitte) wurde als Nachfolger von Dr. Stefan Wolf (links) zum neuen Vorsitzenden der Südwestmetall-Bezirksgruppe Reutlingen gewählt. Daneben steht Südwestmetall-Geschäftsführer Dr. Jan Vetter.

Die derzeitige Konjunktur sei robust, aber die Zukunft unsicher: So resümierte Thede, der gestern als Nachfolger von Dr. Stefan Wolf zum neuen Vorsitzenden der Bezirksgruppe Reutlingen gewählt worden war, das Ergebnis einer Umfrage zur wirtschaftlichen Situation der Firmen in der Metall- und Elektroindustrie. An der Befragung hatten sich 53 von 113 Mitgliedsbetrieben mit 19 400 (von knapp 40 000) Beschäftigten beteiligt.

Der bisherige Geschäftsverlauf 2015 sei für die Unternehmen weitgehend zufriedenstellend gewesen. Bei den Auftragseingängen verzeichneten in diesem Jahr knapp die Hälfte der Betriebe ein Plus, rund 30 Prozent hatten weniger Aufträge als im Vorjahr. Ähnlich sieht es beim Umsatz aus: 50 Prozent der Betriebe konnten ihren Umsatz steigern, 22 Prozent mussten Einbußen hinnehmen.

Wesentlich skeptischer fällt der Ausblick auf 2016 aus: 27 Prozent der Metall- und Elektrounternehmen rechneten, so der 60-jährige Geschäftsführer der Erbe Medizintechnik GmbH aus Tübingen, mit mehr Aufträgen, 25 Prozent mit weniger. Jedes neunte Unternehmen gab keine Prognose ab.

Unsicherheit herrscht auch, was die prognostizierte Entwicklung der globalen Märkte betrifft. Für 2016 geben die regionalen Metall- und Elektroarbeitgeber eine positive Einschätzung allein für Nordamerika und Westeuropa ab. Dagegen setzen die Betriebe derzeit wenig Hoffnungen in den chinesischen oder russischen Markt.

Eher positiv stellt sich die Entwicklung der Beschäftigung dar: 22 Prozent wollen die Zahl ihrer Mitarbeiter steigern, und 61 Prozent die Belegschaft halten. Nur 16 Prozent gehen von einem Rückgang der Beschäftigten aus, vor einem Jahr war es noch ein Drittel gewesen. Immerhin 14 Prozent der antwortenden Unternehmen erwarten für das kommende Jahr steigende Investitionen - ebenso viele gehen von rückläufigen Investitionen aus. 16 Prozent haben noch keine Entscheidung getroffen.

Abschließend forderte Thede, der die hohen Tarifabschlüsse in den vergangenen Jahren kritisierte, von den Gewerkschaften eine maßvolle Lohn- und eine zukunftsfähige Tarifpolitik ein. "Wir müssen zu einer Entgeltentwicklung zurückkehren, die sich am wirtschaftlich Machbaren orientiert. Nur wenn wir den Kurs ändern, kann es uns gelingen, den Verlust von Produktion zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen", unterstrich Thede.

Zudem sprach sich der Vorsitzende der Südwestmetall-Bezirksgruppe dafür aus, die Flexibilität bei den Beschäftigungsverhältnissen zu bewahren, sowie die Infrastruktur zu erhalten und zu verbessern. Zudem müssten Antworten auf aktuelle Herausforderungen - Stichwort Digitalisierung der Arbeitswelt - gefunden werden.

Wie sein Vorgänger kritisierte Thede ebenfalls scharf den aktuellen politischen Kurs der schwarz-roten Regierung. Hier gehe es vorwiegend um soziale Wohltaten und mehr Flexibilität für die Arbeitnehmer, anstatt verbesserter Rahmenbedingungen für die Wirtschaft.

Neuwahlen

Südwestmetall Die Mitgliederversammlung hat gestern Reiner Thede, Geschäftsführer der Erbe Medizintechnik GmbH, zum neuen Vorsitzenden der Bezirksgruppe gewählt. Dr. Stefan Wolf hatte nach sieben Jahren an der Spitze nicht mehr kandidiert. Dem Bezirksgruppenvorstand gehören weiter an: Frank Diez, Geschäftsführer Ledermann (Horb), Rolf Geisel, Geschäftsführer der Friedrich Boysen GmbH (Altensteig), Andreas Kraut, Geschäftsführender Gesellschafter Bizerba GmbH (Balingen), Guido Kunzmann, Geschäftsführer Lechler GmbH (Metzingen) und Ingrid Peters, Leiterin Human Ressources Robert Bosch GmbH (Reutlingen).

SWP

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