"Als Schüler nehmen wir die EU nicht wahr"

Mit der Europäischen Union hatten die Zehntklässler des AEG bislang wenig zu tun. Das Projekt "Donau Online" soll ihnen dieses politische Gebilde näher bringen, in Zusammenarbeit mit zwei anderen EU-Ländern.

Die Kommunikation geht über den Computer. Kai und Nives tauschen sich über eine Onlineplattform mit den tschechischen und rumänischen Zehntklässlern aus. Foto: Anne Leipold

"Ich hab da gar keine Ahnung von" - diesen Satz hörten die Zehntklässler des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) nicht selten während ihrer Umfrage in Reutlingen zur Europawahl. Für das Projekt "Donau Online", das vier Wochen lang ihren Gemeinschaftsunterricht bestimmte, loteten die Schüler das Wissen der Reutlinger aus. Den Fragebogen entwickelten sie in den Schulstunden mit ihrer Lehrerin Ingeborg Höhne-Mack.

Gerade die Fragen nach den deutschen Kandidaten für die Europawahl und nach der Anzahl der EU-Staaten sorgten für rauchende Köpfe, erzählen Hannah und Lea. Aber auch sie und ihre Mitschüler wusstenbislang nur wenig über die Europäische Union. Brüssel oder Straßburg: Fallen die beiden Städtenamen in den Nachrichten, ist den Schülern zwar klar, dass es was mit der EU zu tun hat. Für Hannah aber zum Beispiel sind diese Meldungen zu abstrakt. "Ich bin 16 und ich darf nicht wählen, ich hatte mit der EU bislang nicht so viele Berührungen", sagt sie. "Als Schüler nehmen wir die EU nicht wahr, der EU fühlt sich hier keiner zugehörig", findet zudem Yara. "Ich weiß nicht, was sie machen."

Das soll den Schülern mit dem Projekt, wie wir berichteten, vermittelt werden: Wie funktioniert die Europäische Union, wer kandidiert, wie sieht die Parteienverteilung auf internationaler Ebene aus und wie wird die EU von Jugendlichen in anderen Ländern wahrgenommen? Zusammen mit einer je zehnten Klasse eines rumänischen und tschechischen Gymnasiums tauschten sich die Klassen in einem eigens dafür eingerichteten Online-Forum und in regelmäßigen Chats aus - Projektsprache war Deutsch. Dabei stellten sich die Schüler vor, erzählten von ihrer Schule und Stadt. So erfuhren die Schüler am AEG beispielsweise, dass Jugendliche in Rumänien erst mit 18 Jahren alleine ausreisen dürfen.

Hinzu kamen Chats mit Europaabgeordneten, unter anderem sprachen die Schüler mit Dr. Thomas Ulmer (CDU). Und schließlich stellten sie ihre Umfrageergebnisse vor.

Ebenso fragten sich die Schüler in der Klasse, welche Bedeutung die EU für sie als Einzelne hat. Frieden und Demokratie, so stellte sich heraus, waren für die meisten die wichtigsten Aspekte. "Seit es Europa gibt, gibt es Frieden", sagt Kai, der die Berufsfreiheit als ebenso wichtig erachtet. "Durch den Zusammenhalt sind Demokratie und Frieden in der Gemeinschaft gesichert", ergänzt Nives. Beide finden, dass die Europawahl nur klein thematisiert werde und das, obwohl die Wahl die ganzen Länder betreffe. Auch deshalb findet es Yara wichtig, dass die Leute zur Europawahl gehen. Sie selbst ist, wie ihre Mitschüler, mit 16 Jahren zu jung zum Wählen, will bei der nächsten Europawahl in fünf Jahren aber ihr Kreuzchen setzen. Immerhin würden auch Gesetze in Deutschland von der EU vorgegeben. Yara wünscht sich von der EU mehr internationale Zusammenarbeit und dass gefasste Beschlüsse präsenter nach außen gebracht werden.

Kai sagt, dass er sich als Schüler mit 16 Jahren einfach zu jung für die Wahl fühle. Obgleich ihn Europa interessiert und er sich über das jeweilige Programm der Parteien informiert hat. Doch wählen, jetzt? Selbst wenn er könnte, würde er nicht, dafür kenne er sich nicht umfassend genug aus, sagt er.

"Davor habe ich Europa nicht in seinem Ganzen gesehen", sagt Lea, der durch dieses Projekt bewusst geworden ist, wie die Staaten zusammenarbeiten. Somit ist ein Ziel des Projekts erreicht, nämlich "den Schülern nebenher Sachwissen zu vermitteln", so Höhne-Mack.

Das Projekt
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