„Wann gehen wir ins Heu?“

Auf dem Weg zum Waldrand kommt die Gruppe des Kinderferienprogramms auf dem Riegenhof an einer Kuhweide vorbei. Sina Diller (in der Hocke)  und Franziska Schaumann (mit Hut) begleiten die Kinder bei den Unternehmungen. Foto: 

Guck‘ mal, ein Grashüpfer!“, freut sich Merle. Die Siebenjährige ist zum dritten und mittlerweile letzten Mal bei  der Bauern-
erlebniswoche vom Riegenhof bei Mainhardt dabei. „Leider darf ich nächsten Sommer nimmer mit“, bedauert sie. Dabei hatte sie heuer Glück. Denn im dritten Jahr wurde die Altersgrenze von drei bis sechs auf vier bis sieben Jahre angehoben.

Gemeinsam mit den anderen Kindern läuft sie über eine blühende Wiese, immer den Blick nach unten gerichtet. Sie wollen duftende Kräuter pflücken. Die kleinen bunten Sträuße werden nach altem Brauch an Mariä Himmelfahrt gebunden. Doch die Insekten sind begehrte Funde nebenbei. „Darf ich den auch mal halten?“, wird Kira gefragt. „Nein, der ist zu hüpfig“, lehnt diese ab und legt ihre Hand über die Heuschrecke.

Eigentlich sind die Kinder zwischen vier und sieben Jahren unterwegs in Richtung Wald. Der liegt am Fuß des langgezogenen Hügels. Dort, im kühlen Schatten, wollen sie Hütten bauen, Boote basteln und Abenteuer erleben. Unterwegs kommen sie an einer Kuhweide vorbei. Die Limpurger Weiderinder trotten neugierig an den Zaun. Gegenseitig starren sich Tiere und Kinder an.

Zuerst werden Hühner gefüttert

Treffpunkt für die Bauernhoferlebniswoche ist fünf Tage lang jeden Morgen um acht Uhr am Hof von Doris und Edmund Braun. Nach dem freien Spiel werden die Hühner gefüttert und Eier geholt. „Heute hatten wir vier“, erzählt die angehende Erzieherin Franziska Schaumann. Erstmals ist sie als WWOOFerin („World-Wide Opportunities on Organic Farms“) dabei. Als Wanderarbeiterin hilft Schaumann zwei Wochen lang gegen Kost und Logis auf dem Demeter-Bauernhof mit. Nach dem gemeinsamen Frühstück werde oft spontan entschieden, was bis zum Mittagessen gemacht wird. „Aber worauf alle jeden Tag warten, ist die letzte Stunde“, berichtet Erzieherin und Erlebnis- wie Theaterpädagogin Sina Diller schmunzelnd vom Tageshöhepunkt „Wann gehen wir endlich wieder ins Heu?“, sei die häufigste Frage der Kinder. Die Ballen seien teils so aufgeschichtet, dass es Höhlen und Gänge zum Spielen gebe. Um 14 Uhr werden die Kinder – voller Halme, staubig, aber glücklich – wieder abgeholt.

„Anouk hat mir den Strauß geschenkt“, freut sich ein Mädchen und hält diesen hoch. Anne hat ein zartes Nest aus Blüten geformt. Derweil haben drei Jungen die Sandhaufen auf der Wiese erklommen. „Ihh, eine Spinne“, ruft Emilio mehr fasziniert als abgeschreckt. Er holt die Erzieherinnen und einige der Kinder zum Gucken herbei. Der gelb-schwarze Achtbeiner ist drei Zentimeter groß und lebt in einem eindrucksvollen Netz beim Entwässerungsrohr. Diller kniet sich ins hohe Gras. Vermutlich ist es eine ungiftige Wespenspinne.

Am Waldrand angekommen, übernehmen die beiden Erwachsenen die Sträuße. „Dann habt ihr die Hände frei“, erklärt Sina Diller und setzt auch eine Spinne zur Seite. „Jetzt könnt ihr wieder besser zuhören“, reagiert sie mit Humor auf die von jener abgelenkten Kinder. „Gebt acht auf Brennnesseln und rennt nicht davon“, gibt sie der quirligen Gruppe mit. „Man kann sich sonst auch verlaufen“, setzt die siebenjährige Paula gewichtig hinzu.

Mittags geht es zurück auf den Hof. Dort haben Doris Braun und eine Mitarbeiterin bereits mit den Vorbereitungen für das Essen aus Biolebensmitteln begonnen. An diesem Tag gibt es Kartoffelsalat und Frikadellen. Am letzten Tag wird heuer für die Kinder und ihre Eltern der neue Backofen, den die Rolandsbrüder kürzlich gebaut haben, angeheizt. Fladen mit Wildkräutern und Schmand soll es geben. „Wir wollen den Kindern das Hof- und Landleben näherbringen“, beschreibt Doris Braun ihre Motivation für die Erlebniswoche. Demnächst solle ein Verein gegründet werden, erzählt sie. Unter dessen Fittiche werde zukünftig das Kinderangebot in den Sommerferien laufen, aber ebenso auch die Theatergruppe oder die Kultur- und Informationsveranstaltungen auf dem Hof.

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