Kindermusical: Mit Lust am Spiel

Das umjubelte Kindermusical „Die Steinzeitkinder“ bringt in Blaustein fröhliche Wimmelbilder, Ironie und tiefere Bedeutung unter einen Hut.

Premiere der Steinzeitkinder im Theaterei-Zelt am Samstag in Blaustein.

Premiere der Steinzeitkinder im Theaterei-Zelt am Samstag in Blaustein.

Im „Feuerdorf“ beherrschen sie das Töpfern und das Backen, im „Wasserdorf“ den Fischfang, im „Erddorf“ die Landwirtschaft und im „Luftdorf“ die Künste. Das Problem ist nur: Die vier Steinzeitdörfer sind einander fremd, in Gerüchten und Vorurteilen gefangen, statt ihre Kompetenzen zu bündeln. Und dann ist da auch noch die Sache mit dem salzigen Wasser. Es sind neugierige und unbefangene Kinder, die erste Brücken zwischen den Dörfern bauen und schließlich die Ehrensteiner Siedlungsgeschichte begründen, die ja tatsächlich mit einem Steinzeitdorf begann und heute Unesco-Welterbe ist.

Nicht ewig in der Steinzeit

Nach den zwei Stunden der Premiere von „Steinzeitkinder“ ist klar: Die Probleme der Kinder damals und heute sind vergleichbar. Ihnen ist mitunter langweilig, sie haben es mit sturen Erwachsenen zu tun („das war schon immer so“), und ohne Empfang scheitert die „Anrufung“, damals halt noch von Geistern. Erzählt wird diese Story, in der die kleine Lau eine neuinterpretierte Schlüsselposition einnimmt, auf der Zelt-Bühne der Theaterei in knackigen Texten und griffigen Songs (Markus Munzer-Dorn) und einem gehörigen Augenzwinkern bis in die Refrains – „honga-honga“. Es sind die Kids, die den Fortschritt vorantreiben, wollen sie schließlich doch nicht ewig in der Steinzeit leben. Sie forcieren ihn mit gegenseitigen Besuchen, die sie auf eine Art zelebrieren, die immer viel fürs Auge bietet. Etwa, wenn die beteiligten Chöre (Projektchor der Lindenhofschule und „Blaumeisen“) Teil von Choreografien werden, die so bunt sind wie die fantasievollen Kostüme (Rebekka Antoniadou) der zahlreichen Protagonisten.

Um die 60 Akteure sind an diesem von Theaterei-Prinzipal Wolfgang Schukraft angestoßenen Projekt beteiligt, das von Regisseurin Celia Endlicher locker und gleichfalls kindgerechtem Spannungsbogen in Szene gesetzt wurde, ausgemalt mit vielen Details. Schöner Einfall, wie eine Kinder-Kette die Wellen eines Flusses simuliert.

Farbenfrohe Opulenz

Jörg Strohs Bühnenbild setzt einen eigenen Schwerpunkt. Ein paar Vorhänge mit symbolhaltigen Geometrien reichen völlig aus, der farbenfrohen Opulenz und dem Gewimmel jeweils den Rahmen zu geben. Es gibt starke „lebende Bilder“, Szenen mit viel Witz und mit reinplatzenden gackernden Hühnern, ein wenig Akrobatik – und, ein Muss bei einem Musical, wunderbar untermalende Songs in guter Ohrwurm-Qualität. Die Band (Bläser des Blausteiner Jugendorchesters) intoniert mit Drive, aber nicht krachend. Jede Nummer hat ihren eigenen Charakter, mal dreigroschenoperig, mal zart-flötig und klarinettig-schmelzig.

Die Lust am Spiel, sie hatte alle ergriffen, die eine große oder auch nur kleine Rolle in diesem Spektakel innehaben, deutlich noch einmal spürbar in der Zugabe, als das frisch vereinigte Steinzeitdorf in kompletter Stärke auf der Bühne sang und dabei rhythmisch stapfte und das Premieren- zum Jubelpublikum mutierte.

Info Weitere Aufführungen im Theaterei-Zelt sind am Samstag, 8., Juli, 17 Uhr und Sonntag, 9.Juli, 11 Uhr.

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