Fastnacht: „Jedes Mal ein Adrenalinkick“

Die DJK Schwabach Juniorengarde geht für eine gute Wertung gern ein wenig in die Luft. Foto: 

Die Brühlhalle am Samstagnachmittag: 580 Plätze sind fast voll belegt, vor allem tummeln sich dort Mitglieder aus 65 Karnevalsvereinen. Im Fantross der Dornstadter „Lachatrapper“ brandet Jubel auf, als Tänzerinnen ihrer „Roten Funken“ im Gleichschritt auf die Bühne marschieren.

Beim Qualifikationsturnier des Regionalverbands Bayerisch-Schwäbischer Fastnachtsvereine steht für die Teilnehmer viel auf dem Spiel. Die Konkurrenz unter den rund 1000 Tänzerinnen und Tänzern ist groß. Es gilt, vor den Augen der Punktrichter zu glänzen. Den Besten winkt dann eine Teilnahme am Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft.

Zum 26. Mal richtet der Unterelchinger Carnevalsverein UECV „Storchaneascht“ das Turnier aus. „Für die Teilnehmer ist das Wichtigste, dass alles seinen geordneten Ablauf hat“, sagt Manuela Graf, Präsidentin des UECV. Und den habe der Verein bislang immer gut zu organisieren gewusst. Der Unterelchinger Verein selbst nehme am Turnier nicht teil. Alle Mitglieder sind mit Essensausgabe, an der Kasse oder mit der Zuteilung der Umkleidekabinen beschäftigt. Die Großveranstaltung spült Geld in die Vereinskasse. Damit kann der UECV seine Karnevalsaktivitäten und Gruppen das ganze Jahr über unterstützen.

Nach dem Einmarsch wird es wieder still in der Halle. Während der Vorführungen müssen die Tänzerinnen konzentriert sein. Sieben Punktrichter bewerten den Schwierigkeitsgrad und den synchronen Ablauf der getanzten Figuren.

„Man bekommt jedes Mal einen Adrenalinkick“, beschreibt Cagla Yapici (14) ihr Gefühl vor Beginn jedes Auftritts. Mit Sechs habe sie zunächst Ballett getanzt. Vor vier Jahren sei sie dann zur Tanzsportakrobatik-Abteilung des DJK Schwabach gegangen. „Ich wollte Turniertanz machen“, sagt Cagla. Dazu müsse man Fleiß mitbringen, aber auch gute Nerven. Beides habe sie.

Noch einen Tick mehr Leistungsbewusstsein bringt Fee Bauer vom Canstatter Quellenclub auf die Bühne. Die 14-Jährige zeigt neben dem Auftritt mit der Juniorengarde auch noch ihren Solotanz als Tanzmariechen. Fünf Mal die Woche trainiere sie. Die Soloeinlage in Elchingen sei leider nicht so gut gelaufen: „Ich bin kurz hingefallen und musste kurz improvisieren.“ Den Patzer scheint sie gut überspielt zu haben, 400 Punkte haben die Punktrichter gegeben. Damit liegt sie im Mittelfeld. Für ihre Qualifikation werde sie aber nochmal bei einem anderen Turnier antreten müssen. Trotz ihres großen Engagements, das sie dem Tanzen entgegenbringt, hat sie ganz bodenständige Berufspläne: „Ich will Polizistin werden.“

Die letzten Auftritte des Tags sind den Showtänzerinnen vorbehalten. Sechs Gruppen sind gemeldet, darunter die Tanzsportgarde „Coburger Mohr“. Lea-Kim ist mit Silber glitzernden Raumschiffkostümen und pinken Perücken für den Auftritt zurechtgemacht. „Auf zum Planet der Mädchen“ lautet der Titel des Beitrags. „Ich mache nur Showtanz“, sagt die 13-Jährige. „Da muss man nicht ganz so gelenkig sein.“ Spagat oder das Schienbein gegen die eigene Stirn drücken, das sei nicht so ihr Ding.

Worum es in der Tanznummer geht, erzählt Betreuerin Julia Szadzik (20). „Die Mädchen wollen zu ihrem eigenen Planet, wo sie Spaß haben können – ohne blöde Jungs.“ Ganz ernst gemeint ist das natürlich nicht.

Ein wenig scheint es aber, als hätten die Mädchen diesen Planeten in der Brühlhalle bereits gefunden. Unter den sechs- bis 15-Jährigen, die Samstagnachmittag dort auftreten, ist nämlich kaum ein männlicher Teilnehmer. Die sind erst Sonntagmorgen dran. Bei Paartänzen und den – es sind gerade mal drei – gemischten Garden.

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