Psychologin Sarah Straub zielt mit ihren Liedern auf die Herzen

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    Hier spielt der Doktortitel keine Rolle: Sarah Straub auf der Bühne. Foto: 
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    Die Psychologin Dr. Sarah Straub in der Uniklinik. Foto: Stefan Loeffler Foto: 

Dr. Sarah Anderl-Straub weiß, dass sie noch wenig weiß. Aus diesem Grund stürzt sich die junge Psychologin am Universitätsklinikum Ulm Tag für Tag auf die Erforschung und die Behandlung psychischer Erkrankungen. Das Fachgebiet der 30-jährigen wissenschaftlichen Mitarbeiterin der neurologischen Klinik ist die frontotemporale Demenz.

Schon die Diagnostik der Erkrankung stellt die Mediziner auf dem Eselsberg immer wieder vor große Herausforderungen. „Bei dieser eher seltenen Form von Demenz bleibt das Gedächtnis erhalten“, sagt Straub. „Doch die Patienten halten sich an keine sozialen Regeln mehr und werden oft straffällig.“ Wirksame Therapien gibt es bislang nicht. Noch nicht.

Doch Straub hat ein weiteres Ziel vor Augen. Die Gundelfingerin, die in Regensburg studiert und im Sommer 2015 an der Uni Ulm ihren Doktortitel erworben hat, möchte nicht nur verstehen, was in den Köpfen der Menschen vorgeht – sie möchte auch deren Herz berühren.

Sängerin mit Leib und Seele

Dazu benötigt sie keinen Doktortitel, sondern lediglich ihre Stimme und die pure Lust zu singen. Die Doktorin ist Sängerin und Songwriterin mit Leib und Seele: „Es gibt für mich nichts Schöneres, als auf einer Bühne zu sein. Im Rampenlicht fühle ich mich richtig wohl, denn ich stehe einfach gerne im Mittelpunkt“, sagt die Musikerin, die bei diesen Worten alles andere als überheblich klingt. Im Gegenteil.

Es ist eher die Anerkennung anderer Menschen, die sie antreibt, zu texten, zu spielen und zu singen: „Im Privatleben ist das ganz anders, da vermeide ich größere Menschenmengen, wann immer es geht.“ Doch je mehr Personen vor ihrer Bühne stehen, desto besser.

Sarah Straub, die mit sechs Jahren anfing, Klavier zu spielen, weiß, wovon sie spricht. In den vergangenen zwei Jahren ist sie mit ihren Musikern unter anderem als Vorband von Lionel Richie, Joe Cocker, Unheilig und auch Spandau Ballet aufgetreten – und damit vor Tausenden von Besuchern.

Straub möchte ihre weitere  Karriere langsam aufbauen. Sorgsam, aber auch bestimmt und immer im Einklang mit ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit. Noch.

Leicht ist das jedoch nicht immer. Keine Frage, Straub liebt ihren Job, aber die Musik eben doch noch ein bisschen mehr: „Diese beiden Welten sind oftmals sehr schwer zu vereinbaren.“ Sie schätzt die Arbeit im Team von Professor Markus Otto am neurologischen Institut, der ihre Leidenschaft für die Musik immer unterstützt hat. Doch den geliebten Applaus gibt es eben nur auf der Bühne: „An der Uni werde ich nicht beklatscht.“

Mit zwölf Jahren hat sie ihr erstes Lied geschrieben. Viele weitere folgten, alles Songs, in der sie über jegliche Form der Liebe schreibt. Klar, dass dabei der tägliche Umgang mit den Patienten oft den Ausschlag gibt: „In den vergangenen Jahren sind viele Gefühle und Stimmungen aus dem Klinikalltag zu Balladen geworden.“

Für die Sängerin, die 2014 ihre erste CD mit dem Titel „Red“ vorgestellt hat und in jenem Jahr auch den Deutschen Rock- und Pop-Preis in den Kategorien „Bestes Pop-Album“ und „Bester neuer Künstler“ einheimsen konnte, steht fest: „Musik ist meine große Leidenschaft, eine Berufung, ohne die ich nicht sein möchte.“

Jeder kann daraus seine Schlüsse ziehen. Doch mit dieser Einstellung erntet sie mitunter ungläubiges Kopfschütteln: „Es gibt schon Freunde und Bekannte, die mich für verrückt halten, dass ich nach dieser intensiven Ausbildung eine so gute Stelle einfach aufgeben würde.“

Geschenkt. Musik ist eben ihre große Liebe. Und schon heute kann es die Psychologin kaum erwarten, im Frühjahr ihre neue CD live auf der Bühne zu präsentieren und auf große Tour durch ganz Deutschland zu gehen. Allein am Klavier oder mit Band. Auf jeden Fall als Sarah Straub – ganz ohne Doktortitel.

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