Stippvisite im Zirkus Krone - </br>Wie ergeht es den Tieren?

Ara Zeus, Schwein Fritzi und Löwe Jan vom Zirkus Krone haben eines gemein: Sie wirken zufrieden. Man kann nur ahnen, was Elefantin Bara über wütende Tierrechtler denkt: Rutscht uns den Buckel runter.

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    Tierischer Alltag im Zirkus Krone: Elefantendame Bara lässt den Rüssel nicht hängen. Foto: 
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    Breitmaulnashorn Tsavo guckt sich die Kamera unseres Fotografen genauer an.  Foto: 
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    Hyazinth-Ara Zeus macht die Flatter.   Foto: 
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     Löwenboss King Tonga hält Mittagsschlaf. Foto: 

Odin und Markus sind gerade in der morgendlichen Fitnessstunde. Die beiden Friesenpferde schreiten nimmermüde in einer so genannten mobilen Führanlage im Kreis umher, 40 Minuten dauert das. Im Gehege direkt nebendran liegen Sarah und Jan, zwei Löwinnen, blinzelnd in der Frühlingssonne. Plötzlich wirft Sarah Odin einen Blick zu, der so viel heißen soll wie: Du nervst! Aber sich aufzuregen bringt nichts, man kennt sich schließlich schon lange genug. Also dreht sie sich um und wendet dem Friesengaul ihren Hintern zu.

Alter macht gelassen - und Sarah und Jan sind alt. 26 respektive 24 Jahre, in Afrika hätten sie längst ins Gras gebissen, frei lebende Löwen bringen es im Schnitt auf zwölf Lenze. Arbeiten müssen die beiden nicht mehr, der diese Woche in der Friedrichsau gastierende Zirkus Krone hat sie gewissermaßen in Rente geschickt. Aber nicht ausgemustert. "Wir beuten unsere Tiere nicht aus. Wir leben mit ihnen", sagt Frank Keller, Tierschutzbeauftragte des Münchner Großzirkus', der jedes Jahr gut sieben Monate mit 100 Tieren und 260 Menschen deutschlandweit auf Reisen geht.

Im Fall von Sarah und Jan, die in menschlicher Obhut aufgewachsen sind und nichts anderes als Zirkusluft kennen, heißt das: Die Senioren reisen mit, machen täglich mit dem Dompteur ihre Übungen, dürfen aber während der Vorstellungen faulenzen. Denn in der Manege gibt mittlerweile die nächste Löwengeneration den Ton an. Zu viel Stress für die alten Tiere? Nein, sagt Keller. Die das Stresslevel anzeigenden Cortisolwerte im Blut würden von Tierärzten - nicht nur bei Sarah und Jan - regelmäßig gemessen, gerade auch beim Reisen. Die Werte seien nicht erhöht. "Abwechslung tut den Tieren sogar gut."

Deutlich älter als die alten Löwen sind die sechs grauen Zirkusriesen: vier indische und zwei afrikanische Elefantenkühe, zwei haben schon 50 Jahre auf dem Buckel und stammen aus einer indischen Auffangstation für verwaiste Elefantenkinder, deren Eltern erlegt wurden.

Elefantendompteur James Puydebois, ein gebürtiger Frankokanadier, beschreibt den Tagesablauf der in einem umzäunten Auslauf stehenden Tiere, die offenbar zu unrecht "Dickhäuter" genannt werden. "Schon ein Mückenstich kann sie aufregen." Ein Elefant wolle immer beschäftigt sein. Also bietet Puydebois ihnen reichlich Abwechslung: Äste zum Spielen, dicke Holzstämme mit Löchern drin, in denen Futter versteckt ist, einen Kratzbaum. Am meisten mögen sie es, vor der Vorstellung mit dem Dampfstrahler abgeduscht zu werden, sagt der Dompteur, der behauptet, zu jeder Elefantenkuh eine persönliche Beziehung zu haben. "Bara ist meine anhänglichste." Woran er das merkt? "Wenn ich sie mal zu wenig beachte, kommt sie von hinten und stupst mich an: Hast Du mich nicht gesehen?"

Ein vergleichsweise einsamer Geselle ist das Breitmaulnashorn Tsavo, eines der letzten seiner Art. "In der Natur gibt's keine mehr - ausgerottet", sagt Keller. Der Dreitonner arbeitete zuletzt für den Zirkus Barum, bis der seinen Betrieb einstellte. "Wir haben es übernommen", sagt der Tierschutzbeauftragte. Überhaupt scheint der Zirkus eine Art Tierasyl zu sein, wie man an Wildschwein Fritzi sieht. Das gehörte einst einem Metzgermeister aus Bad Dürkheim, der sich den Frischling zum Spaß halten wollte, aber bald überfordert war. Die Zirkusleute retteten Fritzi vor dem Schlachtbeil und bauten ihn in ihre Show ein. "In unserem aktuellen Programm hat er keine Aufgabe", erzählt Keller. "Aber er begleitet uns und bekommt jeden Tag sein Training."

Zuwendung ist das eine, die Versorgunglogistik das andere, um einen Zirkus am Laufen zu halten. So futtert allein jeder Elefant pro Tag 50 Kilo Heu, 20 Kilo Karotten, 10 Kilo Hafer und 10 Kilo Kraftfutter. Macht rund 90 Kilo pro Tier, das Einkäuferin Stephanie Bohnstedt frisch vom Großmarkt besorgt. Was die Frage aufwirft: Was passiert mit der Elefantenkacke, die in etwa das gleiche Gewicht aufbringt? Sie wird gratis an Bauern aus der Region abgegeben, als Dünger, sagt Keller.

Teurer sind da schon die Raubtiere, 34 Löwen und drei Tiger. Jeden Monat bringt ein Futterlieferant aus Bad Windsheim Fleisch für 25.000 Euro. Es wird im zirkuseigenen Kühlwagen eingefroren und in Tagesportionen aufgetaut. Acht Kilo Fleisch frisst ein Löwe täglich, sechs Tage die Woche. Einmal pro Woche ist Fastentag.

Frank Keller kennt die Vorbehalte radikaler Tierrechtler, von wegen nicht artgerechte Haltung. Das sei Unsinn, sagt der 51-Jährige, der seit 1989 in Diensten des Zirkus Krone steht. Praktisch alle Zirkusdarbietungen basierten auf den natürlichen Bewegungsabläufen der Tiere. "In der Wildnis geht ein hungriger Elefant ja auch auf die Hinterbeine, um an einen Baum zu kommen." In Ulm, der ersten Saisonstadt in diesem Jahr, seien etliche Plakate zerstört und Fahrzeuge beschmiert worden. "Das nervt uns schon."

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