Wie der Ulmer „Traum vom Fliegen“ mit Birdly funktioniert

  • 1/1
    Vogelperspektive: Am Hauptturm des Münsters steht noch das Gerüst wie 1890 vor der Fertigstellung. Foto: 

Ohne Schlagzeug ist alles nichts in der Musik: Beat, Takt und Struktur fehlen. Trotzdem hält es sich meistens im Hintergrund eines Musikstücks: Die Melodie spielen andere. Bei Demodern ist Christopher Baumbach der Schlagzeuger. Demodern, das ist keine neue Band-Kombi aus Depeche Mode und Modern Talking, sondern der Name einer Hamburger Digitalagentur. Sie hat den Ulmer „Traum vom Fliegen“, einen simulierten Flug durch die Stadt anno 1890, programmiert. Baumbach, leitender Entwickler und verantwortlich für die Dreidimensionalität, greift auf den Musik-Vergleich zurück, um seine Rolle zu beschreiben: „Ohne funktioniert es nicht. Das ist eine Symbiose aus Technik und Künstlern.“

Manhattan, Singapur – und Ulm

Die Herausforderung: Demodern ist das erste Unternehmen, das eigene Software für den Flugsimulator Birdly programmiert hat. „Wir mussten erst einmal herausfinden: Was geht alles damit, und wie funktioniert das?“, erinnert sich Baumbach an den Prozess. Der Stuhl, auf den man sich bäuchlings legt, um mit den Flügeln zu schlagen, wurde in Zürich entwickelt; die Herstellerfirma bietet bislang virtuelle Flüge durch das zeitgenössische Manhattan, Dubai und Singapur an, die allerdings auf Fotos basieren. Im Gegensatz dazu hat das Hamburger Team jedes historische Haus einzeln nachgebaut.

„Man hat das Gefühl, da haben tausend Leute gesessen, um jeden Stein nachzubilden“, hatte Oberbürgermeister Gunter Czisch nach seinem ersten Flug bei der Präsentation am Dienstag gesagt. Ganz so viele waren es zwar nicht, aber um das Projekt umzusetzen, hat Demodern eine eigene 3D-Abteilung aufgebaut. „Das sieht an der Oberfläche zwar alles so ähnlich aus wie in anderen Simulationen, es funktioniert aber völlig unterschiedlich“, erklärt Baumbach.

Das muss es auch, damit es den vogelgewordenen Menschen auf dem Birdly nicht schlecht wird: Denn beim Fliegen verändern sich ständig die Entfernungen zu Gebäuden und zwischen Himmel und Erde, jedes einzelne Szenario muss abgedeckt sein. Manchmal, erklärt Baumbach, führt das dazu, dass die Künstler, die die sichtbare Welt ausarbeiten, auf etwas verzichten müssen, weil es sich einfach nicht umsetzen lässt. Und bei aller Liebe zum Detail: Die Arbeit muss auch wirtschaftlich bleiben, nicht alles, was theoretisch geht, rechnet sich in der Umsetzung.

In der Verwirklichung der Flugbewegung hat Demodern sich an der Natur orientiert: Fliegen als Birdly funktioniert genauso wie Fliegen als Spatz. Dreht man die Handflächen nach oben, geht es aufwärts; dreht man sie nach unten, hinab. Gleitet man, bläst nur der Hauch eines Lüftchens aus dem Ventilator vor dem Gesicht; schlägt man dagegen heftig mit den Flügeln, dreht auch der Luftstrom auf. Um all das zu üben, bleibt man die ersten 30 Sekunden über den Wolken – erst dann geht es in die Stadt.

Vor Abstürzen oder Kollisionen muss man sich übrigens nicht fürchten: Kurz wird es schwarz im virtuellen Ulm, der Nutzer wird sanft ein paar Meter zurückgesetzt und kann an sicherer Stelle weiterfliegen. Das gleiche passiert, wenn man sich zu weit von Ulm entfernt: Durch eine unsichtbare Grenze kommt man auf der anderen Seite der Stadt wieder heraus.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
zur Registrierung
zurück zur Übersicht

Beitrag teilen

Content Management by
InterRed GmbH Logo