Theater: Zickenalarm auf der Seelenbaustelle

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    „Unbeschreiblich weiblich“, diese Komödie. Foto: 

 Nach und nach trudeln vier Frauen ein. Keine Freundinnen, sondern Fremde. Hier ein fröhliches Hallo, dort schroffe Ablehnung. Im Auftreten und Aussehen könnten die Vier kaum unterschiedlicher sein. Und doch haben sie viel gemein. Zermürbt von Pech und Pleiten, Liebeskummer und Beziehungsstress, sind die Damen mit Hilfe eines Therapeuten in Petra Winterstellers  Komödie „Unbeschreiblich weiblich“ auf der Suche nach sich selbst und dem Glück.

Aber nicht auf der Psycho-Couch. „Harte Arbeit auf harten Stühlen” fordert Heinz Koch als etwas schlamperter, aber effizienter   Therapeut Erich Schuler in seinem Gruppen-Seminar  „Frau sein,  taff sein“. Allerdings herrscht beim Selbstfindungstrip der Ladies im Faltencremealter bald  dicke Luft: Zickenalarm auf der Seelenbaustelle. Verena (Melanie Schmidt)  ist Juristin, arrogant, verletzend und verkrampft. Auf die sich ständig entschuldigende Grafik-Designerin Lola (Anna Elisabeth Brüderl), ein etwas hibbeliger Hippie-Typ voller Selbstzweifel nach zerbrochenen Beziehungen,  reagiert sie allergisch.

Die schöne, scheinbar selbstbewusste Eva (Clarissa Hopfensitz),  Model und Schmuckdesignerin,  wirkt dagegen gefühlskalt und bindungsunfähig. Der Szenenapplaus gilt der burschikosen, schwäbisch  schwätzenden  Ute (Claudia Riese), die  als Mutter, Haus- und Ehefrau („jeden Tag derselbe Scheiß“) wunderbar das Herz auf der Zunge trägt.

Spitzzüngige Wortgefechte, Schlagfertigkeit und Situationskomik in Gesprächen, bei der Seelen-Analyse und  bei therapeutischen Übungen begeisterten das Premieren-Publikum im Theater Neu-Ulm. Was da alles passiert in dieser Komödie, regt zum Lachen und Nachdenken an. Mit leichter Hand und guter Beobachtungsgabe hat Claudia Riese das Boulevardstück inszeniert. Die Aufführung, die zum Spielzeit-Knaller werden könnte, lebt insbesondere von den fabelhaften Schauspielern. Körpersprache, Präzision, Tempo, Charisma: alles top.

 Wie das alles endet? Zwei Jahre später trudeln die Damen wieder bei Therapeut Erich ein – mit vielen  Überraschungen.  Hat’s ewas gebracht, haben sich diese Frauen verändert, hat sich ihr Leben  geändert? Das sei hier natürlich nicht verraten.

Info Die nächste Aufführungen im Thea­ter Neu-Ulm: 24. und 25. Februar. Weitere Termine im Internet unter www.theater-neu-ulm.de

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