In der Rolle des Clowns fühlt sich Eliszi Böhm am wohlsten

Sie ist fürs Künsterlische zuständig, er fürs Technische: Eliszi Böhm mit Ehemann Uwe Kircher in der Manege. Foto: 

Wer über den Höhenpark Killesberg schlendert, trifft gleich in der Nähe des eleganten Aussichtsturms auf den nostalgischen Rummelplatz. Es erklingen Schlager aus vergangenen Tagen, es drehen sich ein Kettenflieger und ein Pferdekarussell, die Besucher können sich an der Hutwurfbude und am „Hau den Lukas“ erproben.

„Eliszi’s Jahrmarkttheater“ ist schon seit 1995 eine Attraktion auf dem Killesberg. Eliszi Böhm  führt es zusammen mit ihrem Ehemann Uwe Kircher. Böhm war schon immer von der Zirkuswelt fasziniert, von den Clowns, den Seiltänzern, von Musik und Tanz. „Wenn ich als Kind eine Zirkusvorstellung besuchte, dann musste mich meine Mutter weinend nach Hause bringen“, so Böhm. Sie wollte sich einfach nicht trennen von ihrem geliebten Zirkus. „Ich hatte schon immer das Gefühl, da gehör’ ich hin“, sagt sie.

Nach der Waldorfschule wurde sie Schülerin von Frieder Nögge, einem bekannten Clown und Regisseur, der in Backnang eine eigene Schauspielschule leitete. In Zürich absolvierte Böhm außerdem eine Schauspiel- und Gesangsausbildung. Mit den Zirkussen Brumbach und Carl Busch zog sie durch die Lande und begann in Esslingen, Tübingen und in Stuttgart mit Auftritten in der Freimanege.

Als Böhms Tournee-Bus eines Tages zum TÜV musste, kam Uwe Kircher ins Spiel, ein Automechaniker mit einem Faible für Oldtimer und einer eigenen Werkstatt. Böhm gelang es, den Bus auf Vordermann zu bringen. Es kamen zwei zueinander, die sich hervorragend ergänzten. Ohne die Partnerschaft würde es die nostalgische Theaterkulisse auf dem Höhenpark Killesberg wohl nicht geben.

Kircher erstand einen alten Zirkuswagen und baute für seine Frau ein kleines Theater mit 60 Sitzplätzen ein. Nun konnte Böhm unabhängig von der Witterung ein Programm anbieten. Der Höhenpark wurde zur festen Spielstätte der Schauspielerin, der alte Zirkuswagen um weitere historische Fahrgeschäfte ergänzte.

„Die Fahrgeschäfte wurden im Zeitraum von 1880 bis 1950 gebaut“, erklärt Kircher, der alles in der eigenen Werkstatt in Ittlingen (Landkreis Heilbronn) restauriert. Dabei legt er Wert darauf, alles originalgetreu zu erhalten oder entsprechend umzubauen. In Ittlingen bewohnen das Paar und seine Kinder auch einen Bauernhof.

 Nachmittags finden auf dem Killesberg die Kinder- und Familienprogramme statt. Clownstheater oder Kaspertlheater wird gespielt. „Das Kasperltheater ist bei uns nicht ganz so derb, wie es das historische Kasperltheater war“, erklärt die Schauspielerin, die sämtliche Programme selbst schreibt. Auch Erwachsene würden sich ihre Kasperlstücke gerne ansehen, meint Böhm. Ihre Handpuppen kommen auf der kleinen Kasperlbühne im Zirkuszelt zum Einsatz. Auf der großen Bühne spielt Böhm hingegen oft den Clown, die Rolle, die ihr die liebste von allen ist. In ihrem aktuellen Figuren-Musical „Das Märchen von Prinzessin Maus“ singt sie außerdem in sämtlichen Tonlagen und tritt als Hexe auf. „Eliszi’s Jahrmarktstheater“ hat sich auch innerhalb der Stuttgarter Tanzszene etabliert. Regelmäßig finden Tango-, Swing-, Salsa oder Bal-Folk-Abende statt.

Von den monatlichen „Poetry Slams“ im Zirkuszelt fühlen sich auch die Jüngeren angesprochen, erzählt das Paar. „Manche Abende sind umwerfend“, sagt Böhm.

Auch die Liedermacher haben im Höhenpark Killesberg eine Heimat gefunden. Einmal jährlich findet das Singer-/Songwriter-Festival „Vive la Vie“ in „Eliszi’s Jahrmarktstheater“ statt. Gut besucht seien auch die Tangokonzerte, so Böhm.

Als diesjähriges Programm-Highlight bezeichnet die Schauspielerin das am 9. September stattfindende Stummfilm-Konzert: Der Berliner Pianist Stephan Graf von Bothmer spielt zu „Laurel und Hardy“-Filmen. Auch das Stuttgarter Tourneetheater und Zauberer Marrax sind regelmäßige Gäste im Zirkuszelt, das auch Hochzeitsgesellschaften offensteht.

Der Spielbetrieb des Theaters deckt  Böhm zufolge gerade so die Ausgaben für das Zirkuszelt. „Im Grunde verdienen wir unser Geld vor allem mit dem Kaffee“, sagt die Chefin. Jeden Handgriff übernimmt das Ehepaar selbst, freie Tage oder gar Urlaub sind Fremdworte für die beiden. Im Bürgerhaushalt schaffte es das Theater in S-Nord aber auf Platz 1. Dort gab es die meisten Stimmen dafür, „so ein Juwel“ städtisch zu fördern.

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